Rant a Betty: Mir doch egal was die Orga mit meinem Geld macht!

Veröffentlicht von Betty am

Rant a Betty: Mir doch egal was die Orga mit meinem Geld macht!

(Link zur Videoversion dieses Rants am Ende)

Immer wieder höre und lese ich dieselben, vollkommen überzogenen Forderungen von Larpern, dass Orgas bitte ihre Kalkulation offenlegen sollen. Da wird gefordert, dass man minutiös vorrechnet, warum der Con-Preis so ist, wie er nun mal ist und natürlich könne man selbst eine Con viel besser und sogar günstiger organisieren. So, wie gefühlt ganz Deutschland zu Zeiten der Fußball-WM zu Fußball-Trainern wird, so werden alle Larper im Internet zu (Groß-)Event-Managern sobald das Wetter auch nur ansatzweise warm genug dafür ist, auf irgendeinem Zeltplatz ein Zelt aufzuschlagen und das Met-Horn zu füllen. Das Problem nimmt zudem noch dadurch zu, dass in den letzten Jahren auch in Deutschland die Internationalisierung der Larp-Szene enorm Schwung aufgenommen hat und man endlich mehr Möglichkeiten hat auf (meist teure) Larps ins Ausland zu fahren oder sogar in Deutschland immer mehr hochpreisige Larps angeboten werden. Seitdem kommen sie noch viel schneller aus ihren Löchern gekrochen, die Wirtschaftsweisen der Larp-Szene. Sie verlauten, dass der Preis viel zu hoch sei und früher man für eine ähnliche Con nur einen Bruchteil der Kosten bezahlt hätte. Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich sowas lese und nur meiner Liebe zu gutem Essen und der Abscheu regelmäßig Sport zu machen ist es zu verdanken, dass ich dennoch meinen Wohlstandsbauch behalten konnte.

Ich gebe zu: Ich habe keine Ahnung, wie viel ein Con-Gelände kostet. Ich habe auch keine Ahnung, wie viel Eventualitäten ich in meine finanzielle Planung mit einfließen lassen muss, ob ich das ganze jetzt mittlerweile versteuern muss und wie viele und was für Versicherungen ich abschließen muss. Ich habe außerdem genau keine Ahnung davon, wie ich sowas wie Müll, Toiletten und Duschen einplanen muss, wenn diese nicht auf dem Gelände schon vorinstalliert sind. Von Strom, Teamverpflegung und der Quersubventionierung der Teamschlaf- sowie der NSC-Plätze habe ich noch nicht mal angefangen.

Und wisst ihr was? Es ist mir auch ehrlich gesagt scheißegal.
Und das sollte es euch auch sein.

Ihr habt auf derselben Location schon mal eine eigene Con veranstaltet und wisst, wie wenig diese kostet? Egal!
Wenn ihr für 50 Spieler Vollverpflegung anbietet kostet das ganze nur 20€ pro Person? EGAL!
Ihr wollt wissen, wie viel Geld von eurem Beitrag in Props geflossen ist? DAS GEHT EUCH VERFLUCHT NOCH MAL NICHTS AN!
Wisst ihr, was euch was angeht? Ob euch der bezahlte Con-Beitrag für das, was ihr erwartet, angemessen erscheint oder nicht.
Punkt.
Das ist alles.
Euch kann egal sein, ob die Con-Orga sich eine Line Koks durch die Nase zieht von eurem Con-Beitrag. Euch kann egal sein, ob die Con-Orga sich einen vergoldeten Ferrari oder einen dritten Hubschrauber kauft… Das geht euch einen Dreck an!

Und jetzt kommt mir nicht damit, dass ihr das ja alles wissen müsst, um eure Erwartungshaltung abzustecken. Das braucht kein Mensch. Was ihr braucht ist eine klare Kommunikation zwischen Orga und euch als potenziellem Teilnehmer, was ihr erwarten könnt und was für ein Larp die Orga da aufbaut. THAT’S IT!
Diese klare Kommunikation benötigt die Vision, die die Orga hat, nicht jedoch Transparenz der Kostenkalkulation. Es gibt genau drei Varianten die relevant sind:

  1. die Kosten erscheinen euch zu hoch: Dann geht nicht hin.
  2. die Kosten erscheinen euch zu niedrig: Dann freut euch entweder und geht hin, oder ihr geht nicht hin, weil ihr nicht davon ausgeht, dass man mit so wenig Geld eure Erwartungshaltung erfüllen kann.
  3. die Kosten erscheinen euch genau richtig: Dann geht hin.

Und das war es auch schon. Macht keine Wissenschaft daraus und kommt darauf klar, dass auch für euch der Dunning-Kruger-Effekt gilt. Ihr seid in der Regel keine Finanzprofis. Die Zeit, in der man Cons mit „nem Appel und nem Ei“ als Budget veranstalten konnte sind lange vorbei, die Ansprüche steigen und die Kosten steigen. Im nächsten Jahr werden Larps wahrscheinlich nochmals einen ganzen Zacken teurer werden als bisher, ganz einfach, weil die Kosten für Gelände, Versicherung gegen Ausfall und Sanitäranlagen etc. massiv gestiegen sein werden um die Ausfälle aus dem Höllenjahr 2020 wieder reinzukriegen (wenn die Erde dann überhaupt noch existiert). Ihr braucht dafür dann keine dezidierte Aufschlüsselung, warum die Preise um wie viel gestiegen sind. Sie sind es einfach. Entweder sie sind euch zu teuer oder eben nicht. Und natürlich dürft ihr darüber meckern und euch aufregen, wenn ihr einen Preis als zu hoch anseht. Feedback auch gegenüber der Preispolitik ist wichtig, aber bitte fordert doch keine Transparenz in der Kostenplanung.

Es wird sich übrigens, entgegen eurer Vermutungen, keine Orga an einem Larp im exorbitanten Maßstab bereichern (können). Die Con-Beiträge sind für die geleistete Arbeit dafür lächerlich zu niedrig. Niemand, und ich meine NIEMAND, könnte sich Larp leisten, wenn wir auch nur ansatzweise(!) versuchen würden eine gerechte Entlohnung für alle an so einem Projekt beteiligten Personen einzukalkulieren. Larp lebt nur von der ehrenamtlichen Mitarbeit quasi aller Beteiligten. Und als jemand, der seit über 10 Jahren SL und Orga auf Großcons ist kann ich euch sagen: Wir machen es gerne und nicht des Geldes wegen.
Aber genau da liegt auch unser Problem. Da jeder mitmacht und jeder organisieren darf (was ich großartig finde), denkt auch jeder, er wisse alles und vor allem alles besser.

Das wichtige Wort hier ist Vertrauen. Denn das ist es, was ihr mit euren Forderungen nach Kalkulationstransparenz eigentlich sagen wollt: dass ihr den Orgas nicht vertraut. Aber warum wollt ihr eigentlich auf Veranstaltungen von Orgas, denen ihr nicht vertraut?
Wo ist da der Community-Gedanke in der Larp-Szene den ihr sonst so über den grünen Klee lobt?
Jetzt seid ihr auf einmal doch nur Konsumenten die ihr Vertrauen mit harten Fakten als Bezahlung verkaufen wollen. Das sind Machtspielchen, mehr nicht. Und Machtspielchen spielt man immer gegeneinander, nie miteinander, wie Larp eigentlich sein sollte.


Wenn man die Orga nicht kennt, kann ich verstehen, dass man da gerne mehr Fakten hätte. Hierzu verweise ich auf meinen früheren Abschnitt zum Thema Kommunikation (was für mich immer und immer wieder ein Hauptthema ist). Wenn ihr aber die Orga schon kennt, wenn ihr schon auf Veranstaltungen der Orga wart, dann wisst ihr schon, was ihr etwa erwarten könnt. Dann könnt ihr in eurem Kopf oder Bauch ein etwaiges Level von Euro/Erwartung ausmachen. Und wenn ihr das habt reicht das vollkommen aus, um zu entscheiden ob ein Con-Preis gerechtfertigt ist oder nicht. Ich bitte also (mal wieder) um mehr Vertrauen in eure Mit-Larper, denn nichts anderes sind Orgas. Sie sind immer noch Larper und wollen in der Regel nur eine großartige Veranstaltung für alle(!) organisieren, für euch und sich selbst.

Es bleibt mir daher erneut nur mit der (leicht veränderten) Aufforderung zu schließen:
Frage nicht, was deine Orga für dich tun kann, frage, was du für deine Orga tun kannst.

Betty out.

Videoversion dieses Rants:

Kategorien: Betty meintdeutsch

3 Kommentare

Medoc · 2020-07-22 um 15:31

grandios argumentiert.
ich habe mir 15000qm gelände gekauft. ich versenke allein dieses jahr 10000 eus in das gelände. was ich bezahlt habe, geht keinen was an. ob ich irgendwann mit dem ding in die schwarzen zahlen komme auch nicht.
mietet es, oder laßt es.
kommt zu meinen tavernen oder laßt es.
gruß medoc

Christian Hellinger · 2020-07-22 um 11:26

Danke, Betty!

Tatsächlich sind diese Fragen für eine Orga mittlerweile sogar teilweise belastend. Selbst wenn man auf der Seite der Veranstaltung auflistet, wie Unterkünfte sein werden, was man als Deko- und Gewandungsstand vorsieht und wie man die Verpflegung plant, gibt es immer noch genug Leute, die genau diese Fragen stellen (und offensichtlich nicht lesen was geschrieben wird) oder noch schlimmer, öffentlich meckern und dadurch sogar andere Spieler verunsichern. Community Management kostet immer mehr Kraft – die andernorts fehlt und eigentlich lieber in Plot, NSC-Beschreibungen oder Organisation an der Location fließen sollte. Nein, das heißt nicht, dass ich nicht gerne mit der Community spreche – ich liebe das. Aber es gibt schönere Themen als Finanzplanung.
Und wenn man sich die Locations mal ansieht, sind die in den letzten Jahren im Schnitt bedeutend teurer geworden – sowohl wegen gestiegener Energiekosten, stärkeren Auflagen alsauch stärkerer Kommerzionalisierung und auch Konkurrenz in der LARP-Szene. LARPs sind mittlerweile mainstream und haben dementsprechend auch plötzlich eine ganz andere Aufmerksamkeit erlangt… auch bei Versicherung und dem Finanzamt.

    Betty · 2020-07-22 um 11:55

    Hey Effi,
    der Rant brannte mir unter den Nägeln seitdem wir damals länger auf meinem Heimweg nach der Absage des JuO 2 telefoniert hatten.
    Da hatten wir ja auch gerade über das grobe Themengebiet länger gesprochen.
    Das war quasi der Auslöser für den Artikel. 🙂

    Und du hast noch ein paar gute Punkte genannt, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte (ein Grund mehr, warum ich als Orga selbst nicht in die Kostenplanung eingebunden sein sollte/will).

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